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Bevor man mit der "Wildzubereitung"
beginnen kann, muss das bereits aufgebrochene und in einer Kühlkammer
(Wildkühlzelle oder Wildkühlschrank z.B. von
Landig) abgehangene Stück Wild aus
der Decke geschlagen bzw. abgeschwartet und zerwirkt werden. Wichtig
ist dabei, bei allen Arbeitsschritten, vom
Aufbrechen bis zum Zerwirken, auf die Wildbrethygiene zu
achten; die Arbeit erleichtern scharfe Aufbruch- und Zerwirkmesser.
Hier werde ich zukünftig die einzelnen Arbeitsschritte rund um das
Thema Wildbret
(manchmal auch Wildpret
geschrieben)
weiter
detaillieren und mit Bildmaterial veranschaulichen.
Zerwirken
Die nachfolgende
Schilderung beschreibt beispielhaft das Zerwirken von Haarwild /
Schalenwild (wie z.B. Rehwild, Damwild, Schwarzwild etc.) anhand eines Stück
Rotwildes.
Das 59 kg schwere Schmaltier
ist durch einen Kammerschuss zur Strecke gebracht
worden, reifte bereits drei Tage in der Kühlkammer und kann nun
zerwirkt werden.
Zunächst wird ein Schnitt beginnend von den Fußwurzelknochen entlang
der Innenseiten der Läufe bis hin zu Brustbein bzw. Schloss gesetzt,
um anschließend mit dem Abziehen der Decke (Schwarte beim Wildschein) vom Körper fortfahren zu
können. Das Messer wird dabei (gerade im Bereich des Rückens) nur
unterstützend durch nachschärfen eingesetzt – vielfach kann die Decke durch kräftiges
Ziehen gelöst werden. Teilweise ist es hilfreich, einen handbreiten
Schnitt in die gelöste Decke zu schneiden, in den man greifen kann, um
somit einen guten Halt beim kräftigen ziehen zu haben. Besonderen Wert wird darauf gelegt, mit den
arbeitenden Händen möglichst immer auf der sauberen Deckeninnenseite zu bleiben, um eine Minderung der Wildbretqualität zu vermeiden.
Auch während der noch folgenden Verarbeitungsschritte steht die
Hygiene und Qualität stets im Vordergrund. Dazu gehören sowohl das
ständige Säubern von Boden und Arbeitsgerät, als auch das zügige
Separieren von Wildbret-Teilen in die Kühlkammer. Der gesamte
Verarbeitungsprozess wird so mit zunehmenden Fortschritt immer
sauberer.
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Es hat sich bewährt, das Stück Wild zunächst an den Hinterläufen
mittels zweier Wildhaken aufzuhängen.
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Zunächst wird der Träger am Atlas
abgetrennt: das Messer wird anfangs wie beim Abnicken tief
eingestochen und dann mit einem starken Messer ein kräftiger
halbkreisförmiger Schnitt ausgeführt, der sowohl Sehnen und Muskeln
druchtrennt, dabei aber bestmöglich nicht direkt die Wirbel trifft.
Durch ein überdrehen des Kopfes (ggf. in beide Richtungen) bricht die
Wirbelsäule und man kann ihn durch leichtes nachschärfen vom Körper
trennen und entsorgen (ggf. Trophäen wie z.B. Grandeln beim Rotwild
oder Waffen beim Schwarzwild sichern). Um die Schalen abzutrennen werden
am unteren Gelenk die Sehnen durchtrennt. Bestmöglich wird dazu ein
Schnitt an der Verdickung des Gelenkes ("Gelenkwulst") angesetzt, da
sich dort der Gelenkspalt befindet und man nicht den Knochen selbst
trifft. Durch brechen im 90
Grad-Winkel zur Gelenkbewegung, kann der Knochen- und Knorpelbau
leicht ausgehebelt werden. Gegebenenfalls noch vorhandene Fleisch,
Knorpel oder Sehnenstücke werden durchschnitten, so dass die danach die Schalen
entfernt werden können.
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Anschließend kann mit dem Trennen der Blätter fortgefahren
werden. Hierbei werden, wie bei manchem späteren Schnitt, natürliche Grenzen der Muskeln
als Schnittlinie genutzt. Durch leichtes beiseite schieben der
unterschiedlichen Muskel und Abspreizen des Blattes mit der linken Hand, kann die Rechte mit dem
Messer leicht zwischen den trennenden Schichten (lediglich weißes
Bindegewebe) nachschärfen. Gerade bei den Blättern ist ein Abtrennen
wegen des "fehlenden" Gelenks recht einfach. Entweder
man lässt die Blätter später ganz als ein Braten, oder man schneidet aus
ihnen ein hervorragendes Gulasch.
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Nun werden die Rippen vom
Rücken separiert. Dazu muss ein paralleler (ggf. leicht bogenförmiger) Schnitt zur Wirbelsäule
/ zum Rücken
gesetzt werden. Es ist besonders darauf zu achten, den Rücken
unversehrt zu lassen. Die beste Vorgehensweise sieht so aus, dass man
gegen das Licht von innen mit einem spitzen Messer das Rippenfleisch
zwischen den Rippen mit einem Stich durchtrennt und sich dabei Rippe
für Rippe am Rücken entlang nach unten vorarbeitet. Um auch optisch
später einen gleichmäßigen Rücken zu erhalten, sollte der gleiche
Arbeitsschritt auf der anderen Seite des Rückens mit gleichem Abstand
erfolgen. Entlang dieser "gestrichelten" (besser "gestochenen") Linien
können nun die Rippen gebrochen werden. Es bietet sich dazu an,
anstatt die Rippen einzeln zu durchzusägen, diese einfach mit einer
kräftigen (lebensmittelechten) Zerwirkschere bzw. Zerwirkzange (z.B.
Aufbruchzange Xylan) durchzuknipsen. Die Rippen kann man entweder als
Rippchen verwerten oder diese für die Wildfond Herstellung nutzen.
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Ist beim
Aufbrechen des Wildes
das Schloss nicht geöffnet worden (was zu empfehlen ist, da kein
Wildfleisch antrocknet, kein Schweiß / Panseninhalt / Urin über die
Keulen läuft und damit entwertet wird sowie allgemein im Zerwirkraum
viel bessere + hygienischere Arbeitsverhältnisse herrschen), wird nun
bei gutem Licht mit Ruhe der Beckenknochen entzweit. Vorsichtig wird
zwischen den Muskeln der beiden Keulen mit einem scharfen Messer
entlang der natürlichen Gewebetrennschicht geschärft. Das eigentliche
Schloss wird entweder aufgesägt oder mit einem kräftigen Messer
aufgebrochen.
Das Heraustrennen
der Hinterkeulen gestaltet sich etwas schwieriger, da sich dort der
starke Hüftgelenksknochen befindet. Man anschließend
bestmöglich folgendermaßen vor: am Knochenansatz des Schwanzes /
Wedels wird - jeweils für beide Keulen - links und rechts senkrecht
nach unten (beim hängenden Stück) geschnitten; dies kräftig und soweit
man kommt. Die natürliche Grenze wird am Kugelgelenk liegen. Nun kommt
man von unten setzt ein bogenförmigen Schnitt in das Keulen- /
Rückenfleisch von außen in Richtung Wirbelsäulenmitte zum
Hüftgelenksknochenansatz. Hierbei ist
darauf zu achten, kein Wildbret vom Rücken an die Keulen „zu
verschenken“. So wird ein eher großzügigerer Schnitt in diese gesetzt.
Nun hakt man die erste Keule aus dem Wildhaken aus und beginnt, diese
durch eine drehende Bewegung der gesamten Keule (entlang / parallel
zur Wirbelsäule) aus dem Kugelgelenk der Hüfte zu hebeln. Dies sollte
sich recht einfach gestalten, ggf. unterstützt durch minimales
nachschärfen. Man erhält so eine sauber herausgetrennte Keule, ohne
diese durch unnötig Schnitte zu entwerten. Folgend wird die zweite Keulen vom Rücken getrennt,
in dem man analog verfährt, nur hier den Rücken gegen die Keule dreht
und diese schließlich am Haken verbleibt und man den gesamten Rücken
zur Weiterverarbeitung in den Händen hält.
In der späteren Weiterverarbeitung wird die Keule in ihre einzelnen Bestandteile (wie
z.B. Nuss, falsche Lende) zerlegt. Es ist aber auch möglich (dies
bietet sich z.B. bei kleineren Rehkeulen an), die Hinterkeulen ganz zu
lassen; alternativ kann dann der Knochen trotzdem ausgelöst werden,
indem man mit einem scharfen Messer entlang des Knochens (bzw. die
Spitze des Messers auf dem Knochen führend) schneidet und anschließend
um den sichtbaren Knochen drum herum diesen ausschärft. Beim Braten /
Garen kann man den ausgelösten Knochen auch zwecks
Geschmacksverbesserung wieder in die Keule legen und zum Ende einfach
herausziehen.
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Während die zuvor beschriebenen Arbeiten am
besten am hängenden Stück vollzogen
werden, wird nun bei der Weiterverarbeitung des Rückens am Zerwirktisch fortgefahren. Besondere
Aufmerksamkeit benötigten die Lenden des Stücks. Diese werden
vorsichtig herausgetrennt, meist reicht hierzu ein vorsichtiges Ziehen
und leichtes Nachschärfen.
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Den Nacken kann man
entweder auch als Braten belassen, oder auch für Gulasch verwenden.
Zuletzt wird der Rücken
mit Messer und Säge / Hackebeil mehrfach geteilt und ebenfalls
verarbeitet. Einfrieren sollte man den Rücken ruhig mit dem Knochen
(Wirbelsäule), da er sich so sehr gut im Bräter zubereiten lässt. Ein
heraustrennen der beider Rückenteile ist aber mit einem langen Messer
entlang der Wirbelsäule auch möglich (z.B. für Kurzgebratenes /
Steaks).
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Wichtig bei allen Arbeitsschritten ist, die Kühlkette nicht unnötig zu
unterbrechen. Einzelne und separierte Wildbretstücke (Blätter, Keulen,
Rücken) werden bis zur Weiter- und Endverarbeitung immer wieder sofort im
Wildkühlschrank gekühlt.
Nun ist das Wild zerwirkt. Von grob zerwirkt spricht
man, wenn Keulen, Blätter und Rücken getrennt bzw. geteilt worden
sind. Die zeitintensive
Arbeit beginnt aber erst danach. Fett- und sehnenfreies Gulasch zu
schneiden erfordert viel Mühe, die sich aber später lohnt. Generell
sollte Fleisch küchenfertig eingefroren werden, dies bringt später
beim Kochen Freude. Dies bedeutet aber auch, dass neben Sehnen und
Feist / Fett vor allem auch die lederartige Haut vom Wildbret entfernt
werden muss. Einfach geht dies mit einem flexiblen Filiermesser,
wenngleich die Arbeit trotzdem recht mühsam aber unbedingt notwendig
ist. Teilweise hat Wild bis zu sechs / sieben Hautschichten. Man
sollte aber nicht alle entfernen, da ansonsten das zarte Fleisch schon
meist beim zubereiten zerfällt. Eine leicht silbrig glänzende
Hautschicht ist für die Zubereitung in Ordnung.
Friert man Fleisch ein, so sollte es in speziellen
Gefrierbeuteln oder -schläuchen vakuumverpackt
werden, um die Qualität des Wildbrets auch für längere Zeit zu
erhalten. Gute Vakuumiergeräte bzw. Einschweißgeräte sind eine
lohnende Anschaffung, wenn man häufiger zerwirkt. Als
Preis-Leitungs-Kompromiss bieten sich die hochwertigen Geräte von "la.va"
an, hier z.B. das V.200 oder V.300; es gibt aber auch alternative
Hersteller.
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