Die
Luftfahrtindustrie gilt als einer der fortschrittlichsten und
erfolgreichsten Wirtschaftszweige des 20. und 21. Jahrhunderts.
Zunehmender Konkurrenzdruck, Wirtschaftskrisen und Yieldverfall dämpfen
jedoch die Ergebnisprognosen zahlreicher Fluggesellschaften. Die Sicherung
und der Ausbau des Unternehmenserfolges stellen Airlines vor große
Herausforderungen.
Betrachtet
man das Wirtschaftsgeschehen in der Airline Branche über die letzten
fünf Jahre, so sind zwei elementare Entwicklungen zu beobachten, die im
Folgenden beschrieben werden:
- Kooperations- und Allianzbildung zwischen
Fluggesellschaften
- Nutzung und Auseinandersetzung mit neuen Technologien, vor
allem IT-Technologie
Airline-Kooperationen und Airline-Allianzen haben ihre Wurzeln in der
Internationalisierung der Luftverkehrsbranche. Neben den lokalen
Heimatmärkten stellt der internationale Markt für die großen
Fluggesellschaften schon immer das Hauptbetätigungsfeld dar. Dies ergibt
sich aus der speziellen Charakteristik des internationalen Luftverkehrs.
Seine wirtschaftliche Entwicklung und die Vorteile des Verkehrsmittels
Flugzeug resultieren aus der Möglichkeit, lange Distanzen schnell und
relativ kostengünstig überbrücken zu können. Erst die internationalen
und transkontinentalen Verbindungen machen das Betreiben von größeren
Fluggesellschaften profitabel. Die meisten bedeutenden Fluggesellschaften
waren und sind deshalb darauf angewiesen, internationalen Luftverkehr
auszuüben, denn ein alleiniges Operieren auf dem Heimatmarkt ist kaum
wirtschaftlich zu betreiben (eine Ausnahme bilden die Fluggesellschaften
aus großen Flächenstaaten). Die Luftverkehrsindustrie war insofern seit
ihrem Entstehen darauf ausgerichtet, global zu operieren und zu denken
[Can86, S.20]. Die heutigen in allen Wirtschaftsbereichen zu erkennenden
Bestrebungen zu einer weltweiten unternehmerischen Tätigkeit, stellen
deshalb im Bereich des Luftverkehrs keine Neuheit dar, vielmehr agierte
der internationale Luftverkehr seit seinen Anfängen weltumspannend. Der
Luftverkehr ist für die gesamte Industrie ein Motor der Globalisierung,
da diese maßgeblich durch die Airline-Industrie unterstützt wird.
Die
Tendenzen zu Kooperationen, Allianzen und Übernahmen auf dem
Airlinesektor verursachen allianzübergreifende organisatorische
Auswirkungen durch strategische, ökonomische, rechtliche und kulturelle
Einflussfaktoren. Internationalisierungsstrategien und damit
Kooperationsaktivitäten werden angewandt, um betriebswirtschaftliche
Vorteile wie z.B. Rationalisierungspotentiale oder gemeinschaftliche
Kapazitätsnutzung sowie eine Bündelung der Einkaufsmacht, die durch eine
Allianzbildung entstehen, umzusetzen. Diese Effekte kann man auch als
innenwirksame Allianzeffekte der Business Seite bezeichnen.
Zusätzlich zu dem inneren, unternehmerisch getriebenen
Kooperationsbedürfnis hat ein partnerschaftlicher Airline-Auftritt auch
außenwirksame Effekte. Das Eingehen auf den speziellen Kundenwunsch und
die Bereitstellung besonderer Serviceleistungen wird zu einem
herausragenden Erfolgsfaktor. Weltweit fordern Kunden eine einfache,
einheitliche und globale Betreuung ihrer Anliegen. Um diesem Zustand
gerecht zu werden, werden im Bereich der Fluggesellschaften Allianzen
gebildet. Somit ist es möglich, schnell und effektiv das Streckennetz
über die Verkehrswege der Allianzpartner zu erweitern, ohne selbst eigene
Kapazitäten aufwenden zu müssen. Durch das Anbieten von Flügen der
Partner-Airlines unter eigener Flugnummer kann somit von einem virtuellen
Flugnetz gesprochen werden. Für den Kunden erfolgt der Auftritt einer
optimalen Allianz im Sinne eines einheitlichen homogenen Konzerns. Obwohl
es sich bei genauer Betrachtung um unterschiedliche Carrier handelt,
sollte der Kunde das Gefühl haben, alle Angelegenheiten, unabhängig von
seinem derzeitigen geographischen Aufenthaltsort, mit einer Institution
abzuwickeln (angefangen bei Flugbuchung und Check-In, über
Anschlussflüge, Informationssysteme und Vielfliegerprogramme bis hin zur
Beschwerdeabwicklung).
Neben der
damit begründeten Affinität zur Kooperations- und Allianzbildung stellt
der Einsatz moderner IT-Technologie nach dem Kerngeschäft "fliegen“ eines
der wichtigsten Standbeine von Fluggesellschaften dar. Die IT-relevanten
Themenschwerpunkte liegen in den Reservierungs-, Buchungs- und
Check-In-Systemen, Flugplanungs- und Steuerungssystemen, den
Customer-Relationship-Management-Systemen sowie den Sicherheitssystemen.
Zwei elementare Gründe bewegen und treiben Airlines dazu, eine
Kooperations- bzw. Allianz-IT-Lösung anzustreben:
Erstens
sind Systemerweiterungen und Neuentwicklungen aufgrund der hohen
technologischen und funktionalen Komplexität mit enormen Kosten
verbunden. Eine ausschließliche Eigennutzung ist daher wirtschaftlich
kaum zu rechtfertigen bzw. tragbar. Zweitens erfordern
Kooperationslösungen auf der Business-Seite im Allgemeinen auch eine
entsprechende IT-Unterstützung. Diese bewirkt Anpassungen auf beiden
Seiten der kooperierenden Airlines und sind entsprechend im Verbund
anzugehen. Unabdingbar ist jedoch zumindest eine generelle Abstimmung der
strategischen IT-Ausrichtung.
Die
Komplexität des IT-Umfeldes und dessen große Bedeutung fuer das Airline
Geschäft erfordern den Aufbau einer fachgebundenen Organisation bzw.
Instanz zur Wahrung der IT-relevanten Interessen. Die Gesamtheit der
Aktivitäten, Planungen und Entscheidungen im IT-spezifischen Kontext
begründen damit die Einführung eines IT-Managements.
Zielsetzung
Für eine erfolgreiche und wertorientierte
Unternehmenssteuerung ist es unerlässlich, ein IT-Management aufzubauen,
zu betreiben und an den Rahmenbedingungen der Business Strategie
auszurichten. Abhängig vom Branchenumfeld der zu betrachtenden Industrie
sind hierbei unterschiedliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen.
In der Airline Industrie liegen diese
Besonderheiten darin, dass neben dem Kerngeschäft "Flugbetrieb“ der IT
besondere Bedeutung zukommt. Neben den in vielen anderen Industriezweigen
ebenfalls vorkommenden Aufgabenbereichen mit einer starken IT-Orientierung,
wie z.B. CRM, Personal- und Rechnungswesen, hat die überwiegende Zahl der
führenden Fluggesellschaften vier zusätzliche Aufgabenschwerpunkte, die
ein verstärktes IT-Management erfordern: Das Netzmanagement mit dem Fokus
der Netzplanung und dem Yieldmanagement, der Bereich Operations, der sich
überwiegend mit der Flugeinsatzplanung und Flugsteuerung beschäftigt,
sowie die Bereiche Reservierungs- und Check-In-System.
Ziel dieser Dissertation ist es, die
Ausrichtung und Gestaltung des IT-Managements von Airlines, die sich in
Kooperationen oder Allianzen befinden, zu optimieren.
Zurzeit gibt es kein Verfahren, das
unterschiedliche strategische Ausrichtungen, IT-Architekturen, IT-Systeme
und Integrationstiefen vergleicht, bewertet und optimiert.
Es ist eine Methodik zu entwickeln, die
strategische Interessen, Kosten-/Nutzen-Aspekte und technologische
Parameter berücksichtigt, um - auf Grundlage wissenschaftlicher
Ergebnisse - Alternativen zu bewerten, Auswirkungen aufzuzeigen und damit
IT-Maßnahmen der Unternehmensführung zu adjustieren. Diese Methodik
ermöglicht eine langfristige Betrachtung, Konzeptionierung und
Entwicklung einer IT-Struktur unter Berücksichtigung eines
strategisch-ökonomischen Bewertungs- und Adjustierungsverfahrens (Strategische-Portfolio-Simulation).
Das Gesamtbild und die Zielsetzung der
Dissertation werden durch zehn Kernthesen geprägt, die in den einzelnen
Hauptteilen (I-VII) abgeleitet werden und die Struktur der
wissenschaftlichen Abhandlung maßgeblich prägen: